Hier erhalten Sie Informationen Ereignisse rund um das Thema Grundeinkommen (Wirtschafts- und Sozialpolitik in der Schweiz und im Ausland, öffentliche Stellungnahmen, Vorträge, Veranstaltungen usw.)
Nachfolgend veröffentlichen wir einen Artikel von Nicklas Boden, der 1m 6. Januar 2012 im Cercle «Les Echos» erschienen ist (http://lecercle.lesechos.fr):
Kann das «Grundeinkommen» einen Ausweg aus der Krise zeigen?
"Dieses bedeutende und eigenständige Buch weist nach, welche politische Gefahren entstehen, wenn es nicht gelingt, Lösungen zu finden für die Unsicherheiten rund um das Prekariat. Es zeigt auch den Lösungsansatz auf: die Rekonstruktion des Konzepts Arbeit."
Eileen Applebaum, Forschungszentrum für Wirtschaft und Politik, Washington D.C.
Kürzlich stellte Guy Standing am UNRISD (UNO-Forschungsinstitut für Sozialentwicklung) in Genf sein neues Buch vor. Darin geht es zentral um das Prekariat: Jene immer zahlreicheren Menschen, welche auf der ganzen Welt unter prekären Bedingungen leben und arbeiten, mit zeitlich beschränkten Arbeitsverträgen, ohne die Möglichkeit, eine stabile berufliche identität aufzubauen, Karriere zu machen oder vom Schutz der sozialen Sicherung bzw. der entsprechenden Regelungen zu profitieren. Damit hat sich das Prekariat als neue Klasse konstituiert, eine zunehmend frustrierte und potenziell gefährliche Klasse, da sie keine eigene Stimme hat und anfällig ist für die Sirenengesänge der extremen Parteien; sie kann zur Trägerin neuer sozialer Unsicherheiten werden.
Wie soll diesen Gefahren entgegen getreten werden? Standing umreisst eine neue Gesellschaftsform, in welcher die Menschen stärker in die Zivilgesellschaft eingebunden werden, wodurch auch das Prekariat neue Möglichkeiten des Engagements erhält. Standing legt dar, wie die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens für alle eine praktikable Möglichkeit in Richtung einer solchen besseren Gesellschaft wäre.
Das Buch geht all jene etwas an, die sich Sorgen machen um prekäre Beschäftigungsverhältnisse sowie den Rückgang des zivilen und bürgerlichen Engagements.
Guy Standing ist Gründungsmitglied und Kopräsident des weltweiten Netzwerks für ein Grundeinkommen (BIEN). Heute wirkt er als Professor für wirtschaftliche Sicherheit an der Universität von Bath; zuvor arbeitete er während 30 Jahren im Internationalen Arbeitsamt (IAA), wo er Leiter des Programms für sozioökonomische Sicherheit war. Er war an zahlreichen Forschungs- und Beratungsprojekten beteiligt, in der entwickelten Welt ebenso wie in Entwicklungsländern sowie zu Beginn der 90-er Jahren in den „Übergangsländern“ in Osteuropa. Er hat zahlreiche Bücher über Arbeitsökonomie, Arbeitsmarktpolitik, Arbeitslosigkeit, die Flexibilität des Arbeitsmarktes sowie zur Politik der sozialen Sicherheit verfasst.
Das Denknetz, der "Think Tank" des Schweiz. Gewerkschaftsbundes, hat ein einem Arbeitspapier einige Anforderungen an ein Grundeinkommensmodell aus gewerkschaftlicher Sicht formuliert, namentlich eine ausreichende Höhe des Betrags, kein Leistungsabbau gegenüber der heutigen Sozialversicherung, eine "Rückverteilung" von oben nach unten, keine Sabotage der gewerkschaftlichen Bemühungen um gute Arbeit, keine Konkurrenz für die Bemühungen um eine gute soziale Infrastruktur. Der entsprechende Link befindet sich hier.
Das bedingungslose Grundeinkommen: Chance oder Falle ?
Am 28 November 2011 wird unser Vizepräsident Bernard Kündig, neben der Nationalrätin Frau Katharina Prelicz-Huber (Partei der Grünen) und die Herren Daniel Straub, von der Zürcher Agentur für Grundeinkommen und Beat Ringer, vom "Denknetz" an einer Podiumsdiskussion zum Thema bedingungsloses Grundeinkommen teilnehmen. Die Moderation übernimmt der Publizist und Redaktor bei der WOZ Stefan Howald.
Im nebenstehenden Artikel aus der NZZ am Sonntag vom 13. März 2011 werden zwei prominente liberale Befürworter eines bedingungslosen Grundeinkommens zitiert. Klaus Wellershoff ist ehemaliger Chefökonom der UBS; er hat sich schon mehrfach für ein Grundeinkommen ausgesprochen, und mit seiner Teilnahme am Grundeinkommens-Kongress in Zürich am 19. März unterstreicht er diese Position erneut. Thomas Straubhaar vom Hamburger Weltwirtschaftsinstitut gilt als einer der Mitbegründer des «Solidarischen Bürgergeldes», des sozialliberalen Modells des ehemaligen thüringischen CDU-Ministerpräsidenten Dieter Althaus.
Am 19. Dezember 2010 trat im Iran die erste Phase der im Januar vom Parlament per Gesetz beschlossenen Reformen in Kraft. Dabei werden in den nächsten 5 Jahren praktische alle direkten und indirekten Preissubventionen nach und nach aufgehoben (rund 100 Mrd. CHF) und ersetzt durch Direktzahlungen an alle iranischen Bürger/innen (rund die Hälfte). Die Treibstoffpreise gingen massiv in die Höhe (Benzin CHF 0.40 pro Liter, bisher CHF 0.10; Diesel CHF 0.15 pro Liter, bisher CHF 0.02; von einer gewissen Menge an sind die Preise sogar noch höher (CHF 0.70 bzw. CHF 0.35). Auch Wasser, Elektrizität und Mehl wurden in ähnlichem Umfang teurer. Als Ausgleich erhalten die Iraner nun 445'000 Rial pro Person und Monat (rund CHF 45).